“Mein Haus ist meine Spielwiese” – Christian Grosen, Designchef bei Muuto im Interview

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Wenn sich einer mit Möbel- und Wohntrends auskennt, ist das Christian Grosen, Designchef bei Muuto, eines meiner liebsten dänischen Labels. Muuto arbeitet eng mit Designern aus Skandinavien und der ganzen Welt zusammen. Christian ist in alle Prozesse, die das Design der Produkte betrifft, involviert, von der Talentsuche über den engen Kontakt zu den Designern bis hin zur Ausarbeitung neuer Designs. Der studierte Architekt war vor seinem Amt bei Muuto unter anderem Designchef beim Möbelhersteller Fritz Hansen. Ich habe den 40-Jährigen auf der Stockholm Furniture Fair zum zehnminütigen Interview auf dem rosafarbenen Sofa getroffen. Wir haben über Trendfarben, spannende Mikrotrends und seinen eigenen Wohnstil gesprochen.

I♥PONYS Magazine: Wir würdest du den Stil von Muuto in einem Satz beschreiben?

Christian Grosen: Langlebiges Design trifft auf Qualität und ein gutes Preislevel.

Was ist deiner Meinung nach der größte Interior-Trend für 2017?

Textilien und unterschiedliche Materialien spielen eine sehr große Rolle. Es geht viel um Oberflächen und besondere Finishes. Wir arbeiten zum Beispiel gerade an einer Terracotta-Kollektion. Wenn man den Ton ganz glatt und clean lässt, kann es schnell billig aussehen. Wir versuchen gerade das Ergebnis old-fashioned und handgemacht aussehen zu lassen.

Produkte aus Aluminium werden wir in Zukunft sicherlich mehr sehen.

Das klingt spannend, ich glaube auch an ein großes Terracotta-Comeback! Ist das für die nächste Kollektion geplant?

Das steht noch nicht fest, es wird sicherlich aber nicht mehr lange bis zum Launch dauern.

Und welchen spannenden Mikrotrend hast du in letzter Zeit beobachtet?

Ich habe ein paar Produkte aus Aluminium, zum Beispiel Vasen, gesehen – das finde ich sehr spannend. Ich erinnere mich noch an die Zeiten als Aluminium vor zehn, fünfzehn Jahren angesagt war, danach war es lange Zeit verschwunden. Produkte aus Aluminium werden wir in Zukunft sicherlich mehr sehen – vor allem in abgewandelten Farbvarianten.

Rosa hat im Interior-Bereich einen großen Hype erlebt und ist hier auf der Stockholm Furniture Fair bei sehr vielen Herstellern zu sehen. Welche Farbe kommt jetzt?

Ich glaube, dass es jetzt mehr in Richtung Erdtöne geht, gelbliche Töne, Braun, warme Farben.

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Und Dunkelgrün!

Ja, Grün ist eine Farbe, die man bereits in vielen Kollektionen sieht. Ich bin mir sicher, dass man im April auf der Mailänder Messe ganz viel Dunkelgrün sehen wird. Grün gab es in der Wohnwelt zwar schon immer irgendwie, jetzt boomt es aber gerade sehr. Aber auch Navy und Dunkelblau sind Farben, die aufkommen. Spannend sind auch “In Between”-Farben, die keine richtige Farbbezeichnung haben wie ein Rot-Braun oder Grün-Beige.

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An welcher Kollektion arbeitet ihr gerade?

Gerade arbeiten wir noch an Produkten, die wir auf der Mailänder Möbelmesse im April vorstellen werden und an Neuheiten, die wir im August launchen.

Kannst du uns eine kleine Preview geben?

Wir entwickeln die “Fiber Chair” Serie weiter und arbeiten an einem tollen neuen Stuhl mit dem Designer Thomas Bentzen, der für uns schon den “Cover Chair” und die “Around Tables” designt hat. Im August werden wir außerdem tolle neue Lampen launchen. Mehr kann ich aber wirklich noch nicht verraten (lacht).

Es geht immer um das richtige Match zwischen unserer Brand und dem Designer.

Das hört sich sehr gut an! Das Leben auf kleinem Raum wird ebenfalls ein immer größeres Thema in unserer Gesellschaft – einige Menschen wählen bewusst einen kleineren Raum, Stichwort “Tiny Houses”, andere können sich aufgrund von steigenden Mietpreisen keine große Wohnung leisten. Spielt das auch beim Designprozess bei Muuto eine Rolle?

Ja, auf jeden Fall. Wir wissen, dass viele Menschen in kleinen Wohnungen leben, besonders in den Großstädten, weil die Mietpreise immer mehr steigen. Außerdem haben wir einige Möbel in der Pipeline, die flexibel einsetzbar sind – kleinere Möbel, die als Tisch, als Stauraum oder auch als Stuhl genutzt werden können. Außerdem haben wir dieses Jahr eine kompaktere Version unseres “Rest Sofas” gelauncht – auch, weil unsere Kunden explizit danach gefragt haben.

Gerade habe ich mitbekommen, dass du mit zwei jungen Interior-Designern aus Kanada gesprochen hast, mit denen ihr ein gemeinsames Produkt entwickelt. Muuto arbeitet mit Designern aus der ganzen Welt. Wo findet ihr die Designer und wie wählt ihr sie aus?

Ich schaue im Internet, auf Messen, in Magazinen und bei den Abschlussschauen, vor allem in Europa gehen wir auf die Suche. Von den beiden Kanadiern habe ich ein Produkt in einem Magazin gesehen, das mir sofort gefallen hat. Es geht immer um das richtige Match zwischen unserer Brand und dem Designer. Sie müssen sich mit unserem Design, unseren Werten und unserer Philosophie identifizieren können – das ist ganz wichtig! Wenn wir eine Zusammenarbeit mit Designern starten, ist es immer das Ziel, diese Zusammenarbeit langfristig auszubauen und immer wieder mit ihnen zusammenzuarbeiten. Die Chemie muss stimmen, das merkt man schnell, wenn man ins Gespräch kommt. Mit MSDS war es von Anfang an super – wir launchen schon ganz bald einen Beistelltisch. Ich bin mir sicher, dass wir in Zukunft mehr von den beiden sehen werden.

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Der “Workshop Chair” – entworfen von Cecile Manz, eine der bekanntesten dänischen Interior-Designerinnen.

Welches neue Design von Muuto ist aus deiner Feder entstanden?

Eigentlich starten alle Produkte mit einem Briefing, das wir für die Designer konzipieren.

Manchmal ändere ich allein die Farbe unserer Wohnzimmerwand drei Mal im Jahr.

Das heißt, die Ideen kommen immer von euch?

Ja, genau! Das Briefing für die Decke da drüben war zum Beispiel folgendes: Wir wollten eine Tagesdecke aus Baumwolle designen, weil es nicht so teuer werden sollte. Uns war aber wichtig, dass es keine langweilige, matte Baumwolldecke wird – wir wollten etwas Lebendiges, es sollte fein und gleichzeitig dynamisch sein. Wir haben die Textildesignerin Margrethe Odgaard gefragt, ob sie Lust hat, mit uns an einer Decke zu arbeiten. Sie hat uns eine tolle Webtechnik vorgeschlagen, mit der sie schon zuvor gearbeitet hat, inspiriert von japanischer Mode, bei der sie zwei oder drei Farben mixt und ein tolles Muster und eine tolle Reflexion entsteht. Es wirkt sehr dreidimensional und sieht überhaupt nicht mehr nach Baumwolle aus.

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Ganz neu im Sortiment: Die “Ripple Throw Tagesdecke”, von der Designer Margrethe Odgaard für Muuto entworfen – gibt es hier in grau, rot, grün und braun.

Ich bin neugierig, wie sieht es bei dir zu Hause aus? Wie würdest du deinen Wohnstil beschreiben?

Ich lebe in einer alten Villa in Kopenhagen, in einem alten Haus mit vielen tollen Details. Ich sehe mein Haus mehr als Labor, ich gestalte es eigentlich dauerhaft um – ganz zur Freude meiner Frau (lacht). Aber das muss sie akzeptieren, weil ich daraus ganz viel neue Energie schöpfe und Inspiration bekomme. Ich liebe es, meine Möbel umzustellen, zu schauen wie es dann wirkt und Wände neu zu streichen. Manchmal ändere ich allein die Farbe unserer Wohnzimmerwand drei Mal im Jahr, von Dunkelblau bis zu einem strahlenden Gelb, einfach um zu schauen, was passiert.

Das bedeutet aber auch, dass mein Haus nie “fertig” ist. Wenn ich etwas umgestellt habe, gefällt es mir ein paar Wochen und dann langweilt es mich schon wieder. Ich habe nicht dieses superschicke, durchgestylte Zuhause, ich würde mein Haus mehr als meine Spielwiese beschreiben.

Und welche Möbelstücke stehen bei dir?

Ich habe ein paar Möbelstücke von Muuto, viel von Fritz Hansen, viele Midcentury-Stücke – es ist ein bunter Mix aus allem. Ich horte auch viele Dinge, alte Stücken bis hin zu neuen Designobjekten. Ich finde, dass Objekte erst im Kontext cool oder eben langweilig wirken – es geht viel darum, wie man Dinge inszeniert, in welchem Licht sie stehen, mit welcher Kunst sie in Verbindung gebracht werden usw.

Vielen Dank für das Interview, Christian.

Noch mehr Einblicke in den schönen Stand von Muuto auf der Stockholm Furniture Fair findet ihr in der Galerie:

 

 

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Noch mehr schöne Produkte von Muuto:

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Fotos: I♥PONYS Magazine, PR

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