INTERVIEW MIT STINE GOYA, BACKSTAGE-EINDRÜCKE UND DIE A/W14 SHOW

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Zwei Stunden vor Showbeginn habe ich Stine Goya gestern Abend auf der Kopenhagen Fashion Week zum Interview getroffen. Im Backstage-Bereich, in der ehemaligen Börse, haben die meisten Models bereits gemachte Haare, die Looks hängen noch an den Bügeln. Noch nie habe ich einen so gut organisierten Backstage-Bereich erlebt.

Die Looks hängen in kleinen Abständen an den Stangen mit Bildern des Fittings, Strümpfe stecken in den Schuhen, die Schmuckstücke und Sonnenbrillen liegen sortiert auf einem Tisch – alles versehen mit kleinen Model-Namensschildchen. Ein großes Model-Board mit Bildern und Namen hilft ebenfalls weiter und ein zweites erzählt die gesamte Running-Order bis ins kleinste Detail. Alle Anziehhilfen sind in Stine-Shirts gekleidet und werden gerade eingewiesen. So könnte selbst ich, ohne Vorkenntnisse, die Models über den Laufsteg schicken. Kein Wunder also, dass Stine so entspannt wirkt. Nach einer Laufsteg-Probe empfängt sie mich herzlich, mit rosafarbener Brille, im blau-beleuchteten und mit blauem Teppich ausgelegten Börsen-Saal, wo später ihre sehr schöne Herbstkollektion auf dem Laufsteg zu sehen sein wird.

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I♥PONY Magazine: Du hast ein wunderbares Gefühl für Farben. Wie ist die Farbrange für deine neue Kollektion entstanden und welche Rolle spielt Blau dabei?

Stine Goya: Für diese Kollektion wollte ich anders mit Farben arbeiten, als ich es normalerweise tue. Ich wollte eine knallige Farbe dabei haben und habe mich ein bisschen von den Achtzigern inspirieren lassen, zum Beispiel von der Musik. Ich wollte unbedingt Royalblau in meine Kollektion einbauen – etwas ganz Neues für mich. Außerdem habe ich mit Grüntönen gearbeitet, was ich bis jetzt noch nie gemacht habe. Ich habe mich von einem Interior-Stylisten inspirieren lassen, der das Restaurant “Monsieur Bleu” im “Palais de Tokyo” in Paris eingerichtet hat. Er hat viele unterschiedliche Grüntöne mit Marmor gemixt – eine tolle Kombination.

Mein Schlafzimmer ist in unterschiedlichen Rosatönen gestrichen.

Spielen besondere Farbwelten auch in deinem Privatleben eine Rolle, zum Beispiel bei dir zu Hause?

Ja, ich arbeite viel mit Farben. Mein Schlafzimmer ist zum Beispiel in unterschiedlichen Rosatönen gestrichen und eingerichtet, unter anderem mit durchsichtigen, rosafarbenen Gardinen, was sehr beruhigend wirkt.

Und deinem Mann gefällt das auch?

Ja, tatsächlich (lacht). Ich glaube er findet den Aspekt gut, dass es so beruhigend wirkt und Rosa bin einfach ich. Ich glaube aber, dass er manchmal von Freunden und der Familie deswegen gehänselt wird. (lacht)

Für dein Lookbook und deine Show arbeitest du mit der Stylistin Emelie Johansson, die auch als Modechefin für die Cover arbeitet, zusammen. Kreiert ihr die Looks gemeinsam oder lässt du dich gerne überraschen?

Ich liebe es, mich überraschen zu lassen. Das ist auch der Grund, warum ich dieses Mal mit Emelie zusammenarbeite. Sie hat einen etwas anderen Stil als ich, mehr casual. Ich dachte, es wäre gut für mich, mich von ihr  beeinflussen zu lassen. Wenn ich die zusammengestellten Looks anschaue, denke ich manchmal: das bin ich vielleicht nicht 100%ig. Wenn sie mir dann erklärt, warum sie etwas genauso macht, vertraue ich ihr und freue mich, dass sie mich ein bisschen in eine andere Richtung lenkt. Emelie ist eine tolle Stylistin.

Hinter deinen Kollektionen stecken immer wieder besondere Geschichten. Wovon hast du dich für diese Kollektion mit dem Namen “Fragments Bel Ensemble” inspirieren lassen?

Ich habe mich von dem Skulpturisten Constantin Brancusi inspirieren lassen. Es geht viel um Formen und um Texturen. Meine zweite Inspirationsquelle ist der Künstler Ruby Sky Stiler, der in seinen Bildern mit Elementen des Frauenkörpers arbeitet und diese immer wieder neu zusammensetzt. Die Farbe Blau hat mich ebenfalls sehr beeinflusst.

Du arbeitest mit einem kleinen Designteam zusammen. WIe sieht euer Arbeitsprozess aus und wie viel Stine steckt wirklich in jedem Kleidungsstück?

Ich arbeite in einem ganz kleinem Team: ich, meine Assistentin und die Praktikanten. Am Anfang jeder Kollektion suchen wir Moods heraus und besprechen, wie sich die Kollektion von der letzten unterscheiden soll und wie wir uns weiterentwickeln können. Dann helfen sie mir das Moodboard zu erstellen. In enger Teamarbeit entsteht die ganze Struktur der Kollektion. Ich glaube es steckt viel Stine in jedem Kleidungsstück. Manchmal denken meine Mitarbieter vielleicht, dass es ein bisschen zu viel Stine ist, weil ich immer ganz genaue Vorstellungen davon habe, wie die Teile aussehen sollen. Sie schaffen es aber auch mich ab und zu in eine andere Richtung zu lenken.

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Perlen sind gerade im Trend und spätestens im Herbst werden wir sie noch öfter sehen. WIe bist du auf die Idee gekommen, sie als Verzierung für die Jacke und als Knöpfe für den Mantel zu nutzen?

Ich bin sehr gut mit der Schmuckdesignerin Sophie Bille Brahe befreundet und ich habe vor etwa einem Jahr zu ihr gesagt: du solltest etwas mit Perlen machen und dann sagte sie zu mir, dass sie lustigerweise gerade etwas mit Perlen designe. Ich probierte zu dem Zeitpunkt ebenfalls gerade aus unsere eigenen Perlenknöpfe zu entwickeln. Heute trage ich auch einen Perlenohrring von Sophie. Ich glaube, dass es etwas ganz Neues ist. Es gab so viel Gold und Silber, das ich übrigens gar nicht so gerne mag, und die Perle ist ein Material, das zwar kühl wirkt, aber nicht so kühl wie Silber.

Was glaubst du, wird das Lieblingsteil der Händler werden, was wird die Presse lieben und was ist dein persönlicher Favourit aus deiner neuen Kollektion?

Eine gute Frage, lass mich überlegen. Ich mag die feste Seide, die wir benutzen – das Outfit mit dem kurzen Oberteil und der Oversize-Hose in der hellen Farbkombi und den langen Mantel. Leider glaube ich aber, dass wir den Mantel nicht produzieren werden, da die Nachfrage nicht so hoch sein wird. Ich denke, dass die Presse, den Zweiteiler und den langen Mantel mit den Perlendetails ebenfalls für Shootings einsetzen wird. Das sind oft zwei unterschiedliche Welten – die Presse und der Einkauf. Die Einkäufer werden besonders die Strickteile und die Oberteile für ihre Stores ordern und der schwarz-weiße Print mit den Händen wird wahrscheinlich gut bei ihnen ankommen.

Vielen lieben Dank Stine, dass du dir so kurz vor der Show Zeit für ein Interview genommen hast. (Selfie-Time!)

 

Backstage-Eindrücke, Bilder von der Show und von der Gallery:

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