INTERVIEW//ANNA JAZEWITSCH

Sie lässt sich von ihrer Kindheit in Weißrussland inspirieren, sammelt Erfahrungen bei Lala Berlin, rundet ihre Kollektion mit Schuhen aus einem Stripties-Shop ab und setzt den Fokus auf einen Naturstein – die frisch gekürte Jungdesignerin Anna Jazewitsch zieht in die Modewelt ein und dekoriert ihre Kollektionen mit viel Gespür für Farben, Schnitte und Drucke. 2009 reichte sie ihre Abschlussarbeit bei der FH-Bielefeld ein, gewann mit ihrer Diplomkollektion OFIMATICA den dritten Platz bei „Design am Rhein“ und sicherte sich so ihren Messestand auf der CPD. Im Interview spricht die 27-Jährige über die russische Avantgarde, den Wunsch frei zu arbeiten und den roten Faden ihrer Kollektion.

I♥PONYS: Anna, wie heißt deine aktuelle Kollektion?

ANNA JAZEWITSCH: Meine aktuelle Kollektion heißt Marmorgraphica. Es ist eine Frühjahr/Sommer Kollektion für 2011 und meine erste eigene Kollektion nach meiner Diplomarbeit.

Welche Geschichte steckt hinter Marmorgraphica? 

In erster Linie habe ich mich von der Struktur von Marmor inspirieren lassen. Nach meiner sehr konzeptuellen Abschlussarbeit wollte ich ohne ein bestimmtes Konzept arbeiten. Diese Kollektion ist sehr stark aus dem Prozess des Entwerfens entstanden. Es ging mir nicht darum, eine Geschichte zu erzählen, sondern freier zu arbeiten.

Wie ist die Farbwelt deiner Kollektion entstanden?

Die Farben der Kollektion habe ich den natürlichen Marmorfarben nachempfunden. Marmor existiert in verschiedenen Mischfarben wie Blaugrün, Currygelb, Matte und puderige Pastelltöne und Schwarz-gestreift. Diese Farben und den Marmordruck habe ich durch das strenge Schwarz und Transparenzen gebrochen.

Wie hast du die Drucke entwickelt?

Der Marmorprint ist der rote Faden der Kollektion. Er vereint Zufälligkeit und Kontrolle, Symmetrie und Asymmetrie, die fast schwerelos ineinander überfließen. Ich habe Marmorfliesen fotografiert und die Farben verrändern. Die Drucke habe ich teilweise gespiegelt und teilweise den natürlichen Verlauf des Marmors durch konsequente schwarze Flächen gebrochen.

Welche Stoffe hast du verwendet?

Ich lege großen Wert auf Qualität. Das drückt sich auch in den sehr hochwertigen Materialien aus. In der aktuellen Kollektion war meine Stoffwahl klassisch und innovativ wie unterschiedliche Seiden- und Wollstoffe.

Wie entwickelst du eine Kollektion?

Als erstes stelle ich mir Regeln auf, mit welchen Stilelementen ich arbeiten möchte, die ich weiter entwickele und breche. Wie zum Beispiel in der aktuellen Kollektion  bildet Asymmetrie den Ausgangspunkt für die Gestaltung, sowohl in dem Druck als auch in den Drapierungen. Meine Kleider entstehen hauptsächlich durch die freie Arbeit an der Kleiderpuppe, durch das Drapieren und durch das neue Zusammensetzen alter Formen. Ich mische auch verschiedene Techniken bei den Konstruktionen und Drapierungen. Trotzdem versuche ich die Sachen tragbar zu machen.

Inwiefern beeinflusst dich deine Kindheit in Weißrussland bei der Entstehung einer Kollektion?

Ich habe meine Kindheit in Weißrussland verbracht und war dort in einer Kunstschule. Die russische Ästhetik hat mich  sehr geprägt. Am meisten wird mein Design von der russischen Avantgarde der 20er und 30er Jahre beeinflusst. Die Kunstrichtungen Konstruktivismus und Suprematismus, die parallel zum deutschem Bauhaus verliefen, finde ich sehr inspirierend.

Hast du die schwarzen Plateau-Schuhe auch selbst designt?

Die Schuhe habe ich in einem Striptiesgeschäft gekauft. Ich habe die Schuhe dann mit einem mattschwarzem Lack angesprüht.

Findet man deinen eigenen Kleidungsstil auch in deiner Kollektion wieder?

Natürlich spielt mein eigener Geschmack eine sehr wichtige Rolle. Ich entwerfe die Kleidung im weitesten Sinne für mich. In dieser Phase meines Lebens nehme ich mir noch die Zeit zu Träumen und meinen eigenen Modegeschmack weit weg von dem eigentlichen Modegeschäft zu verwirklichen.  

Wie sieht die Trägerin deiner Kollektion im Idealfall aus?

Die Trägerin meiner Kollektion legt viel Wert auf Qualität, Verarbeitung und Design. Es ist eine selbstbewusste Frau, die ihre Persönlichkeit durch ihr Aussehen zum Ausdruck bringen möchte.

Auf welcher Fashion Week würdest du deine Kollektion am liebsten zeigen und warum?

Ich liebe Berlin! Berlin ist eine Stadt der Freiheit und Toleranz. Berlin ist ewig im Aufbruch und das macht diese Stadt so spannend, so auch die Fashion Week in Berlin. Das Besondere an der Berlin Fashion Week ist die Mischung aus tragbarer Mode und Haute Couture, die teils auf dem gleichen Laufsteg gezeigt werden.

In welchem Modemagazin würdest du deine Kollektion am liebsten sehen?

Ich liebe Magazine, die nicht nur Mode präsentieren, sondern auch Kunst, Design, Architektur und Musik.  Die Kategorien beeinflussen sich gegenseitig wie z.B. bei den Magazinen Sleek und Neo2.

Welche Erfahrungen konntest du aus deinen Praktika bei Felder-Felder und Lala Berlin mitnehmen?

Hauptsächlich Organisation und Disziplin.

Wo wird man deine Kollektion in Zukunft kaufen können?

Auf der vergangenen CPD Messe in Düsseldorf hatte ich sehr viel positive Resonanz und viele Anfragen und hoffe nun, dass sich der ein oder andere Kontakt konkretisiert. Im Februar 2011 werde ich auch dort wieder meine  nächste Kollektion präsentieren. Darüber hinaus kann man sich bei Interesse gerne über mein Blog direkt an mich wenden. 

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